Wiener Ghetto bis 1675

Jüdische Bevölkerung wurde immer mit dem Gebiet des heutigen Österreichs tief verbunden. Die erste schriftliche Erwähnung von ihr stammt zwar erst aus dem Jahre 906 , aber die ersten Juden waren wahrscheinlich shon im römischen Kastell Vindobona anwesend.
Vom 12. Jahrhundert stammt die erste Erwähnung von den Juden in Wien. In derselben Zeit entstand in Wien das erste Judenviertel und im Jahre 1896 kam zu den ersten antisemitischen Ausschreitungen, bei denen 16 Leute ums Leben kamen. Die Jüdische Bevölkerung hatte auch seinen Anteil an der damaligen Kolonisierung des Niederösterreichs. Die erste bekannte Wiener Rabbiner hießen Tobias und Jonathan und sollten von allen Bürger geachtet sein.
Im 13. Jahrhundert dienten Juden als Berater am Hof der Babenberger. Der bekannteste von ihnen, Teka, vermittelte im Jahre 1225 der Ausgleich zwischen dem Leopold VI. und dem ungarischen König Andreas II. (Teka selbst wurde im Ungarn geboren.) Die damals gültige "Judenordnung" war die toleranteste Minderheitenregelung des Mittelalters. Diese "Judenordnung" bestätigte später zuerst der tschechische König Přemysl Otakar II. (in den Jahren 1254, 1255 und 1268), dann auch Rudolf von Habsburg, der sie um die Todesstrafe für die Ermordung von Juden und für die Schändung der jüdischen Friedhöfen verbreitete. Diese günstige Bedingungen ermöglichten, daß Wien im 13. Jahrhunderts das Zentrum des Judentums wurde. In dieser Zeit entstand hier die talmudische Schule von Rabbi Isaak ben Moses (,der auch nach seinem bekanntesten Werk - Ritualkodex "Or Sarua" - "Saat des Lichtes" - mit demselben Namen genannt wurde). Seine Schule hatte ihren Höhepunkt unter dem Rabbi Abraham Klausner (1350 - 1408), nach 200 Jahren setzte sie in der Talmud-Lehranstalt in Wiener Neustadt fort.
Am Anfang des 14. Jahrhunderts gab es in fünf Straßen des Wieners Judenviertels schon etwa 70 Häuser, d. h. etwa 120 - 140 jüdischen Familien. Die Lage der Juden verschlechterte sich (ähnlich wie in den anderen europäischen Staaten) nach dem Vierten Laterankonzil im Jahre 1215. Mit einer zeitlichen Verspätung mußten auch die Wiener Juden den Konzilsbestimmungen sich unterordnen (die Juden mußten z. B. gehörnte Hute tragen, die Liebe zwischen Juden und Christen wurde verboten, an den christlichen Festtagen durften die Juden ihre Häuser nicht verlassen u. a.). Zugleich verschlechterten sich auch die Beziehungen zwischen der christlichen und der jüdischen Bevölkerung. Immer stärkte die antisemitische Volksstimmung. Im Jahre 1314 wurde eine generelle Judensteuer vom Friedrich dem Schönen eingehoben.
Im Jahre 1338 kam es zu einer Pogrommsreihe in den Städten Retz, Horn, Eggenburg und Zwettl. Die Ursache dafür war (wie später noch mehrmals) der Vorwurf der Hostienschändung. Die Wiener Juden wurden nur mit der Hilfe Albrechts II. verschont.
Nach zehn Jahren wurde ganze Europa durch Pestepidemie betroffen. Diese Tatsache verursachte eine neue Reihe der Judenverfolgung. Diesmal mußte Albrecht II. die Juden in Wien mit der Hilfe der Armee verteidigen. Von dem christlichen Volk wurde er dafür als "Judenknecht" bezeichnet.
Von der "Wiener Geserah" wissen wir, daß um 1420 in Wien etwa 800 überwiegend armen Juden lebten. Das Eigentum dieser Leute lockte den Erzherzog Albrecht V. Die Ärmeren von ihnen mußten Wien in kleinen Schiffen verlassen; später fanden sie Zuflucht im Ungarn unter dem König Sigmund. Die Reicheren (um 200 Personen) wurden eingekehrt und ihr Besitz wurde eingezogen. Als Grund dafür half dem Erzherzog Albrecht V. wieder die Anklage von der Hostienschändung, zu deren sich einige von ihnen auf der Folter bekannten. Die meisten von ihnen wurden nach der Ablehnung der Taufe hingerichtet.
Nach dieser Katastrophe lebten in Wien mindestens ein Jahrhundert keine Juden mehr. In der Zeit des Kaisers Maxmilian I. lebte in Wien der einzige Jude namens Hirschl. Die durchreisende oder auf dem Markt verkaufende Juden mußten in Wien ein spezielles Zeichen tragen (den gelben "Flecken" ). Derselbe Kaiser vertrieb Juden aus der Steiermark, Kärnten und Krain.
Erst im Jahre 1536 wurde eine neue Judenordnung für den vorübergehenden Aufenthalt der Juden in Wien erlassen. So lebten in Wien im Jahre 1571 schon sieben jüdische Familien. Diese Familien waren in einer Privileglage - sie waren nämlich direkt dem Hofkammer unterstellt - also sie konnten an jedem beliebigen Ort in der Stadt wohnen.
Unter Rudolf II. vermehrte sich noch die Zahl der Wiener Juden. Im Jahre 1601 gab es in der Stadt schon zwei Synagogen mit dem Vorsteher (vom 1603) Veit Munk.
Im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts hatte die Wiener jüdische Bevölkerung eine außerordentliche wirtschaftliche Bedeutung. Im Jahre 1624 wurde Israel Wolf Auerbach zum Vorstand des Wiener Münzkonsortiums ernannt und regelte praktisch alle finanzielle Angelegenheiten während des Dreißigjährigen Krieges. In dieser Zeit entstand in Wien ein regelrechtes jüdisches Ghetto. Im Jahre 1624 ließ der Kaiser Ferdinand II. ein neues Ghetto (nach dem Vorbild Ghettos in Rom und Venedig) am Unteren Werd bauen. Dort gab es ein Gut des Bürgerspitals und eine kleine Fischersiedlung (mit 14 Häuser), die die Juden kaufen und selbst mit einer Mauer umgeben mußten. Dazu mußten sie noch weitere Baugründe kaufen. Das Leben der jüdischen Gemeinde in diesem Ghetto war nicht zu lang, weil sie es schon nach 50 Jahren verlassen mußte.
Trotzdem stellt das Ghetto am Unteren Werd ein wichtiger Moment im Leben der österreichischen Juden vor. Der erste Rabbiner - Jomtow Lipman Heller, der Schüller des Rabbi Löws - wurde aus Prag berufen. Im Ghetto lebte ein bekannter jüdischer Humanist der Arzt Leo Lucerna. Im Jahre 1660 gab es im Ghetto drei Synagogen mit den eigenen Schulen, die talmudische Schule des Zachariahs Levis, ein Spital und ein Gemeindehaus. Das Ghetto hatte seine eigene Zivilgerichtsbarkeit. Die Stadtverwaltung wurde von fünf Richter, zwei Beisitzer, sechs rabbinischen Juristen und drei Rechnungsbeamten geübt.

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  13. červenec 2008
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