Egon Erwin Kisch

* 29. 4. 1885 Prag, † 31. 3. 1948 ebd., Journalist und Verfasser von krit. Reise- und Sozialreportagen, ein Genre, das er weiterentwickelte. Begann seine Karriere als Lokal reporter der "Bohemia" in Prag und wandte sich nach der Aufdeckung der Spionageaffäre um Oberst Redl 1913 dem polit. Journalismus zu. Nach der Teilnahme am 1. Weltkrieg wurde K. Starreporter sozialist. Zeitungen inBerlin (1921-33). Er unternahm ausgedehnte Reisen durch Europa, Afrika, die USA und China, über die seine bekannten Reisereportagen (u. a. "Der rasende Reporter", 1924) entstanden. 1933 von den Nat.-Soz. verhaftet und auf Intervention der tschech. Regierung freigelassen, nahm 1937/38 am Span. Bürgerkrieg teil und hielt sich bis zum Ende des 2. Weltkriegs in Mexiko auf. 1946 Rückkehr nach Prag.

Vor 50 Jahren, am 31. März 1948, starb in Prag eine der schillerndsten Persönlichkeiten aus der Welt desJournalismus: Egon Erwin Kisch. In der Zeit des Kalten Krieges im Westen weitgehend totgeschwiegen, im Osten hoch gelobt, nimmt das Jüdische Museum Wien diesen Jahrestag zum Anlaß, das Leben und Werk des "rasenden Reporters" von 15. Mai bis 9. August 1998 mit einer Ausstellung kritisch zu würdigen.

Der 1885 in Prag geborene Egon Erwin Kisch gilt als Schöpfer und Meister der literarischen Reportage. Er unternahm zahlreiche Reisen durch Europa, Nordafrika, die USA, die damalige UdSSR und China, bei denen jene Reportagen entstanden, die ihn berühmt machen sollten. Sie sind exakte Milieuschilderungen, die Sprache und Zeitkolorit in die Berichterstattung einbeziehen. Seine unstete Lebensweise ließ den Buchtitel "Der rasende Reporter" zum Synonym für den Autor werden. Doch Kisch war alles andere als ein Kaffeehausliterat oder Sensationsreporter. Vielmehr suchte er in seinen Reportagen politische und ökonomische Prozesse mit den dahinter stehenden Schicksalen in ihrer historischen Bedingtheit literarisch zu gestalten.
Mit seiner Arbeit in der Zwischenkriegszeit und später auch im Exil war Kisch vom deutschen Sprachraum ausgehend in der ganzen Welt ein Multiplikator und Vernetzer der linksbürgerlichen Intelligenz. Seine vielfältigen literarischen und politischen Aktivitäten lassen sich nur durch das Streben erklären, Gegensätze zu vereinen: Als Schriftsteller deutscher Sprache legte er Wert auf seine tschechoslowakische Staatsangehörigkeit; gegenüber bürgerlichen Freunden war er ein linientreuer Kommunist, den kommunistischen Genossen ein kritischer Querdenker; das orthodoxe Judentum lehnte er ab, doch die Schoa weckte in ihm Sympathien für den Zionismus.

Kisch wollte alles zugleich sein: Kommunist, Bürgerlicher, Jude, Tscheche, Deutscher, Internationalist, Weltbürger. Ein Österreicher war Kisch gewesen, nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie 1918 wollte er es nicht mehr sein dennoch hat er sich unabänderlich in die Historie dieses Landes eingeschrieben: im Mai 1913 bei der Aufdeckung der SpionageAffäre um Oberst Redl und im November 1918 als Rotgardist bei der Gründung der Republik. Zu beiden Ereignissen sind zahllose Legenden im Umlauf, seine Reportagen zum Fall Redl sind Ausgangspunkt für mehrere Verfilmungen des Stoffs geworden. 1921 ließ er sich in Berlin nieder, wo er bis 1933 seinen Hauptwohnsitz hatte. Am Morgen nach dem Reichstagsbrand (28. Februar 1933) wurde er in Berlin verhaftet und nach Prag abgeschoben, seine Bücher wurden von den Nazis öffentlich verbrannt. Die ersten Jahre des Exils verbrachte er in Prag, Paris und den Beneluxstaaten, unterbrochen von politischem Aktivismus in England, Australien und im Spanien des Bürgerkriegs (1937/38). 1940 konnte er über New York nach Mexiko
entkommen. 1946 kehrte er nach Prag zurück, wo er bis zu seinem Tod lebte.

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